Fortbildung
zur Quantenphysik
1. Fortbildungstag
F. Haug
Übersicht:
I.
Neuer Lehrplan Quantenphysik
II.
Umsetzungsmöglichkeiten
III.
Überblick über einen
Lehrgang
IV.
Erarbeitung der
Wesenszüge der Quantenphysik am Doppelspalt
V.
Anwendung der
Wesenszüge beim Interferometer
VI.
Interferometer-Experiment
VII.
Erweiterungen im
Zeigerformalismus
VIII.
Simulationen
selber testen
2 Std. Kurs: 20 Stunden (1/3
der Gesamtstundenzahl)
4 Std. Kurs: 28 Stunden (1/4
der Gesamtstundenzahl)
Drei Schwerpunkte:
1.) Experimente:
Photoeffekt
Elektronenbeugung
Interferenz mit einzelnen Quantenobjekten
(Doppelspalt, Interferometer)
2.) Eigenschaften
der Quantenwelt
·
Erarbeitung der
qualitativen Wesenszüge von Quantenobjekten anhand der Experimente unter
Einbeziehung der quantenmechanischen Messung
·
Quantitative
Umsetzung mit Zeigern
3.) Atomphysik
Linearer Potentialtopf
Linienspektren
Schrödingergleichung
Antreffwahrscheinlichkeiten im Wasserstoffatom
· Neuer Dorn-Bader enthält alle Begriffe und auch die geforderten Wesenszüge (2. Fortbildungstag, Herr Götz)
· Rheinland-Pfälzer Lehrgang (2. Fortbildungstag, Herr Renner)
· Berliner Unterrichtskonzept (Fischler, Lichtfeldt; Physik i. d. Sch. 32)
· Münchner Lehrgang (Müller, Wiesner)
A. Quantenphysik
|
1.) Photoeffekt |
4 Std. |
·
Hallwachs-Exp. ·
Vermutung im
Wellenmodell ·
Versuch mit
Vakuumsfotozelle ·
Interpretationsmöglichkeiten ·
Photonen,
Wirkungsquantum ·
Wmax=hf-WA ·
Übungen |
|
[2.)
Röntgenbremsstrahlung] |
[2 Std.] |
·
Grenzenergie ® SR ·
Bragg-Reflexion? |
|
[3.) Spezielle
Relativitätstheorie] |
[5 Std.] |
·
Grundannahmen ·
Zeitdil., Längenkontr. ·
relativistische Masse
(Gedankenv.) ·
E=mc2 ·
Photonenmasse und
-impuls ·
Paarbildung,
Comptoneffekt ® SR |
|
4.)
Elektronenbeugung |
2 Std. |
·
Beugungsröhre (Bragg?) ·
De Broglie Wellenlänge |
|
[5.) Präparation
von Eigenschaften] |
[2 Std.] |
Wienfilter, Strahlteiler,
Prisma Polarisation |
|
6.) Erarbeitung der qualitativen Wesenszüge von
Quantenobjekten am Beispiel Doppelspalt |
4 Std. |
·
Wahrscheinlichkeitsprinzip ·
Superpositionsprinzip ·
Messpostulat ·
Komplementarität |
|
7.)
Anwendungen/Übungen a.) Schrödinger Katze b.) Bombentest [c.) Quantencomputer] [d.)
Quantenkryptologie] |
1 Std. 3 Std. [1 Std.] [[10 Std.]] |
® HA ·
Interferometer
(Prinzip + Versuch) ·
Simulation
mit einzelnen QO · Bombentest,
Delayed Choice ® SR ® Fächerübergreifend
mit Math., Info. und Gesch. nach dem schriftl. Abitur |
|
8.) Quantitative
Erweiterungen a.) Unbestimmtheitsrelation b.)
Zeigerformalismus |
1 Std. 5 Std. |
Komplementarität ® UBR ·
Regeln des
Formalismus mit Mess. ·
Mehrfachspalte
mit Messg. ·
Neutronenstreuung
C13-Kristall ·
Streuung von
Helium-Kernen ·
Neutroneninterferenz
in Grav.-Pot. |
|
[9.) Verschränkte
Photonen] |
[1 Std.] |
·
EPR-Paradoxon, ®
SR |
B. Atomphysik
|
1.) Linienspektren
des Wasserstoffs |
2 Std. |
·
Serien, Energieniveaus |
|
2.) Stationäre
Schrödingergleichung |
1 Std. |
·
Herleitung über
Wellengleichung |
|
3.) Diskussion der SGL für verschiedene
Potentiale |
4 Std. |
·
Krümmung ·
Lineare Potentialtopf ·
Coulombpotential,
Wasserstoffatom |
Präparation
dynamischer Eigenschaften (Arbeitsblätter)
Was bedeutes es, dass
ein Quantenobjekt (z.B. ein Photon, ein Elektron ) eine bestimmte Eigenschaft
hat? Wie kann man diese Eigenschaft präparieren?
Beispiel 1: Wienfilter
Ein
Elektronenstrahl tritt durch ein gekreuztes elektrisches und magnetisches Feld.
Ein Teil des Strahls tritt durch die Blende, andere Elektronen werden
abgelenkt.
|
|
a.) Ist es Zufall ob
Elektronen durch die Blende gelangen oder haben sie eine bestimmte Eigenschaft:
„Werde durch das Wienfilter (WF) durchgelassen“? Wie könnte man das testen?
Ergänze die Zeichnung.
b.) Was
muss der Test ergeben, wenn es sich um eine bestimmte Eigenschaft „wird durchgelassen“
handelt? Sage das Ergebnis voraus.
c.)
Welche andere physikalische Eigenschaft der Elektronen wurde mit dem Wienfilter
präpariert? Leite die entscheidende Formel ab.
Zusammenfassung: Man
versucht in einem Experiment physikalische Objekte (Elektronen, Photonen,...)
mit einer bestimmten Eigenschaft herzustellen, z.B. Elektronen mit der
Eigenschaft “wird durch das WF durchgelassen“. Ergibt ein Test (meist ein
gleichartiges Experiment), dass 100% der Objekte diese Eigenschaft haben, so
wurde diese Eigenschaft im Experiment präpariert. Man sagt dann, dass die
Objekte diese Eigenschaft haben, auch wenn man den Test nicht macht.
Weitere Experimente zeigen, dass die präparierte Eigenschaft „wird
durchgelassen“ meist mit anderen physikalischen Eigenschaften (z.B. bestimmte
Wellenlänge oder kinetische Energie) verbunden ist.
Beispiel 2: Strahlteiler
Ein
Lichtstrahl fällt auf einen halbdurchlässigen Spiegel (oder eine Glasplatte).
Ein Teil des Strahls tritt durch diesen sogenannten Strahlteiler (ST), ein Teil
wird reflektiert.
|
|
a.) Wie
kann man testen, ob die durchgelassenen Photonen eine bestimmte Eigenschaft
„wird im ST durchgelassen“ haben? Ergänze die Zeichnung.
b.)
Sage das Ergebnis des Versuchs vorher und überprüfe im Experiment!
c.) Hat das durch den ST durchgelassene Licht
eine bestimmte Eigenschaft „wird durchgelassen“? Kann man mit einem ST Licht
auf die Eigenschaft „wird durchgelassen“ präparieren?
Beispiel 3: Polarisation
|
|
Licht einer Glühlampe fällt auf eine waagerecht eingestellte Polarisationsfolie (PF). Das Licht wird durch diese Folie abgeschwächt, nur ca. die Hälfte wird durchgelassen.
a.) Wie
kann man testen, ob die durchgelassenen Photonen eine bestimmte Eigenschaft
„wird durch die waagerechte PF durchgelassen“ haben? Ergänze die Zeichnung.
b.)
Sage das Ergebnis des Versuchs vorher und überprüfe im Experiment!
c.) Hat
das durch die waagerechte PF durchgelassene Licht eine bestimmte Eigenschaft
„wird durchgelassen“? Kann man mit einem waagerechten PF Licht auf die
Eigenschaft „wird durchgelassen“ präparieren?
d.)
Licht das durch einen waagerecht eingestellten Polarisationsfilter gefallen
ist, heißt waagerecht polarisiert. Kann Licht zugleich die Eigenschaften
„waagerecht polarisiert“ und „senkrecht polarisiert“ haben (vgl. Exkurs
Polarisation)?
Beispiel 4: Prisma
|
|
Licht einer Glühlampe fällt auf ein Prisma. Die Blende ist so eingestellt, dass durch sie nur Licht gelangen kann, das in einem Winkel von 30° gegen sie Einfallsrichtung gebrochen wurde.
a.) Wie
kann man testen, ob das durch die 2. Blende tretende Licht eine bestimmte
Eigenschaft „wird im Prisma um 30° abgelenkt“ hat? Ergänze die Zeichnung.
b.)
Sage das Ergebnis des Versuchs vorher!
c.) Hat
das durch die 2. Blende tretende Licht die Eigenschaft „wird im Prisma um 30°
abgelenkt“?
d.) Auf
welche der folgenden Eigenschaften kann man mit Prisma und Blende präparieren:
Intensität,
Farbe, Wellenlänge, waagerechte Polarisation?
IV. Erarbeitung der Wesenszüge von Quanten anhand des Doppelspaltexperiments
Im Doppelspaltexperiment mit
monochromatischem, kohärentem Licht erhält man das bekannte Interferenzbild. In
diesem Doppelspaltexperiment stecken sind alle Geheimnisse der Quantenwelt
versteckt, wir wollen es daher genauer untersuchen.
An diesem Experiment können
wir zunächst auf zwei Arten Veränderungen vornehmen:
1.) Wir können untersuchen,
was in einem Doppelspaltexperiment mit anderen Quantenobjekten (Elektronen,
Neutronen, Protonen, Atomen, Molekülen) passiert.
2.) Wir können untersuchen
was passiert, wenn jeweils nur ein Quantenobjekt in der Anordnung ist.
1.) Doppelspaltexperimente mit unterschiedlichen
Quantenobjekten
Was passiert, wenn man im Doppelspaltexperiment andere
Quantenobjekte außer Photonen verwendet?
|
|
Dasselbe Experiment wurde
1960 von Jönsson (Universität Tübingen) auch mit Elektronen durchgeführt (die
Schwierigkeit liegt in der Herstellung der Spalte, die nur 0,5µm breit sein
dürfen). Inzwischen wurden Doppelspaltexperimente mit Neutronen, Atomen und
sogar ganzen Fullerenenmolekülen (Nature 401, No. 6754, p. 680 (1999) oder www.quantum.univie.ac.at/
research/c60/undex.html). Das Ergebnis ist immer dasselbe; als Beispiel hier
rechts das Ergebnis eines Neutronenexperiments im Doppelspalt (Abb. 2 aus www.ap.univie.ac.at/users/fe/ Quantentheorie/ sciweek2000/Zeilinger-Artikel/index.html).
Mit dem Simulationsprogramm
„Doppelspalt“ der Münchner Physikdidaktik (downloadbar von www.physik.uni-muenchen.de/Computer/interfer) kann
man diese Verteilungen simulieren. Die Art dieser Verteilung, dieses Muster,
scheint ein Wesenszug der Quantenwelt zu sein. Eine Erklärung dieser Verteilung
gelingt durch die Wellentheorie: den Quantenobjekten wird die
DeBroglie-Wellenlänge
zugeordnet. Mit
dieser Wellenlänge kann man wie beim klassischen Doppelspaltexperiment mit
Licht, das Interferenzbild vorhersagen.
2.) Einzelne Quantenobjekte im Doppelspalt
Was passiert, wenn der jeweilige Teilchenstrahl so
schwach ist, dass sich immer nur ein Quantenobjekt in der Anordnung befindet?
Zum Beispiel kann man das
Doppelspaltexperiment mit einzelnen Photonen durchführen und dies ist auch
häufig gemacht worden (vgl. z.B. Film „klicker“ aus
http://www.physik.uni-mainz.de/lehramt/ViMPS/welcome.html). Genauso sind
Doppelspaltexperimente mit einzelnen Elektronen, Neutronen, Heliumatomen usw.
durchgeführt worden. Leider gibt es noch keine Schulexperimente mit einzelnen
Quantenobjekten, die Simulation veranschaulicht jedoch die Ergebnisse dieser
Realexperimente. Die Simulation sollte man selber durchführen und versuchen
Vorhersagen über das Auftreffen zu machen (vgl. AB 1).
Möchte man auf ein Realexperiment nicht verzichten, so kann man das Licht der Doppelspaltverteilung auf einen Film fallen lassen. Die geringe Photonenzahl wird durch eine sehr kurze Belichtungszeit und vollkommene Abdunklung erreicht. Das belichtete Negativ betrachtet man unter einem Mikroskop (Ergebnis s. DB S.248, V1). Hierbei handelt es sich jedoch nicht wirklich um ein Experiment mit einzelnen Photonen, da die körnige Struktur ja nicht durch eine schwache Quelle sondern durch die kurze Belichtungszeit erzielt wird.
Arbeitsblatt 1
Einzelne
Photonen im Doppelspalt
Stelle im Programm
„Doppelspalt“ die Quelle auf Elektronen, Energie 100keV ein. Stelle die
Spaltbreite auf 100mm, den Spaltabstand auf 700 mm. Drehe
den Schirm nach vorn.
1.) a.) Schalte die
Quelle kurz ein, indem du die Taste Q zweimal kurz hintereinander drückst. Übe
etwas bis du es schaffst möglichst wenige Elektronen auszusenden (Zähler unten
auf der Statusleiste). Setze dann den Bildschirm über „Reset“ zurück. Schalte
kurz ein und beschreibe den Bildschirm nach ca. 10-20 Treffern!
Die
Treffer verteilen sich scheinbar wahllos auf dem Schirm.
b.) Setze den Bildschirm
zurück. Du und dein Nachbar halten den Finger auf eine Schirmstelle. Schalte
die Quelle so kurz wie möglich ein. Wer hat einen Treffer besser vorhergesagt?
Kannst du irgendwie den nächsten Treffer vorhersagen?
Es
ist unmöglich vorherzusagen, wo die nächsten Elektronen auftreffen.
2.) Lasse die Quelle
länger an und beschreibe, wie sich das Schirmbild nach 500, 2000, 10 000
Treffern entwickelt. Setze zurück und wiederhole das Experiment. Vergleiche das
Ergebnis mit dem ersten Mal.
Mit der Zeit entsteht die Interferenzverteilung des Doppelspalts. Dieses Bild ist bei jeder Durchführung gleich.
3.) Lasse das Schirmbild
bei 10 000 Treffern stehen.
Gib eine Prognose ab,
wie sich die nächsten 100 Photonen auf dem Schirm verteilen werden. Wo werden
relativ viele auftreffen, wo wenige?
Lösche den Schirm
(Reset) und markiere „Auswertung“. Schalte die Quelle ein und warte die ersten
100 Photonen ab. Vergleiche mit Deiner Vorhersage!
4.) Quantitative
Auswertung: berechne bei den obigen
Einstellungen die Lage der Doppelspaltmaxima. Vergleiche mit dem Ergebnis der
Simulation.
Wie verändert sich das
Schirmbild bei 20keV, 200keV?
Welche Maxima fallen bei
200keV aus?
Arbeitsblatt 2
Überlegungen
zur Zufälligkeit
1.) Wovon hängt es ab,
ob ich eine 6 würfle? Unter welchen Umständen könnte ich vorherbestimmen, ob
ich eine 6 würfle?
Es
hängt vom Zufall ab. Die Wahrscheinlichkeit ist 1/6.
Wenn
man die Abwurfgeschwindigkeit, den Abwurfwinkel usw. genau kennen würde, so
könnte man es vorausberechnen.
2.) Wovon hängt es ab,
ob mein nächster Freiwurf beim Basketball trifft? Kann ich einen Treffer im
Prinzip vorausberechnen?
Auch hier spielt der Zufall eine Rolle. Ich kann aber üben um besser zu treffen. Dabei schaffe ich es den Abwurfwinkel und die Abwurfgeschwindigkeit immer genauer einzustellen. Umso genauer ich optimale Werte erreiche, umso öfter treffe ich. Eine genau eingestellte Maschine würde immer treffen.
3.)
Wovon hängt es ab, ob ich eine 6 im Lotto habe? Kann ich das Ergebnis einer
Lottoziehung im Prinzip vorausberechnen?
Das Ergebnis hängt vom Zufall ab. Würde ich die Lage von allen Kugeln, vom Mischer, die Geschwindigkeit der Trommel usw. zu Beginn kennen, so könnte ich das Ergebnis der Ziehung voraus berechnen.
4.)
Wovon hängt es ab, wo ein Elektron auf dem Schirm auftrifft? Kann ich es im
Prinzip vorausberechnen?
Ein Einzeltreffer ist prinzipiell nicht
vorherberechenbar. Quantenobjekte, die vollkommen identisch präpariert sind,
treffen an ganz verschiedenen Stellen auf.
Auch in Zukunft wird keine Eigenschaft,
kein Parameter gefunden werden, die das Verhalten des Quantenobjekts
vorherberechnen lässt (Bell’sche Ungleichung).
3.) Der erste Wesenszug: Das Wahrscheinlichkeitsprinzip
Das Ergebnis von Simulation
und Experiment ist immer das gleiche: das Einzelobjekt trifft an einer
bestimmten genau lokalisierbaren Stelle auf („Treffer“), der genaue
Auftreffpunkt ist aber zufällig und nicht vorhersagbar. Nach einer Vielzahl
von gleich präparierten Quanten (man nennt das ein Ensemble) stellt sich eine reproduzierbare
und mit Hilfe der Wellentheorie vorausberechenbare Verteilung ein. Diese
Verteilung heißt daher Wahrscheinlichkeitsverteilung.
1. Grundprinzip der
Quantenmechanik: Das Wahrscheinlichkeitsprinzip
In einem Experiment mit
Quantenobjekten ist das Versuchsergebnis mit einem Einzelobjekt zufällig und
lässt sich prinzipiell nicht vorhersagen. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung
eines Ensembles ist reproduzierbar und berechenbar.
„Zufällig“
ist hier nicht die normale Zufälligkeit, wie man sie aus dem Alltag kennt.
Zufälligkeit im Alltag steht nämlich nur für subjektive Zufälligkeit, die dadurch entsteht, dass es zu viele
Einflüsse gibt, die man nicht alle genau kennt. Demgegenüber ist die
quantenmechanische Zufälligkeit objektiv,
sie beruht nicht auf dem Mangel an Informationen. Es gibt prinzipiell keine
Parameter, die das Verhalten vorherbestimmen - das ist eine Konsequenz der Bell’schen Ungleichung. Man sollte
diesen Unterschied unbedingt an Beispielen diskutieren (s. AB 2).
Man kann hier (vor allem im
2-stündigen Kurs) bei dieser rein qualitativen Beobachtung stehen bleiben. Für
das folgende nützlich, könnte es aber sein, dieses Prinzip noch etwas zu
vertiefen. Die reproduzierbare Wahrscheinlichkeitsverteilung wird ja mit der
Wellentheorie berechnet. Wie bringt man das in Einklang mit der
Teilchenvorstellung, die sich z.B. in den lokalisierten Treffern zeigt? Es
könnte geschickt sein, an dieser frühen Stelle, den Dualismus anzusprechen;
dann ist sichergestellt, dass man nicht dabei stehen bleibt, wie es auch der
Lehrplan fordert.
Die zwei Seiten von
Quantenobjekten - lokalisierte, aber nicht vorhersagbare Treffer der
Einzelobjekte und doch nach vielen Treffern die durch die Wellentheorie
vorhergesagte Verteilung - nennt man den Welle-Teilchen-Dualismus.
M. Born hat in seiner Wahrscheinlichkeitsinterpretation
der Quantenmechanik diesen Wellenaspekt mit dem Teilchenaspekt vereinigt:
Bei Licht ist die
Intensitätsverteilung durch die Energiedichte des elektrischen (bzw.
magnetischen) Feldes bestimmt. Die Energiedichte eines elektrischen Feldes der
Feldstärke E ist
, also ist die Intensität I(x) an der Stelle x proportional
zum Betrag des Feldstärkevektors
:
. Da die Feldstärke ja schwingt, ist es eigentlich das
Quadrat der Amplitude des
Feldstärkevektors.
Entsprechend ordnet man jetzt
den Quanten einen Zeiger
(x) in
Abhängigkeit vom Ort x zu. Die Funktion
(in Abhängigkeit
vom Ort) wird oft Zustandsfunktion (s.
Lehrplan) oder Wellenfunktion (s. Münchner Lehrgang) genannt. In Übereinstimmung
mit [DB, S. 249] bezeichnen wir die Zeiger
(x) als Wahrscheinlichkeitsamplitude.
Bornsche
Wahrscheinlichkeitsinterpretation: Das Verhalten eines
Ensembles von Quantenobjekten in einer Anordnung wird durch die Wahrscheinlichkeitsamplitude
Y(x) bestimmt. Die
Wahrscheinlichkeitsamplitude bestimmt die Wahrscheinlichkeitsverteilung:
P(x)
~ |Y(x)|2
Y(x) ist ein resultierender Zeiger, der
wie bei einer Welle aus der Anordnung mit Hilfe der Huygensschen Prinzipien
bestimmt wird.
4.) Vergleich: Klassische Teilchen und Quantenobjekte im
Doppelspalt
Aus dem Doppelspaltexperiment
mit Quanten kann man aber noch viel mehr herausholen. Zunächst untersucht man
die Verteilungen von klassischen Teilchen und von Quanten auf dem Schirm, wenn
nur einer der Spalte bzw. beide Spalte geöffnet sind (vgl. AB 3). Über diese
Aufgabe sollte man auch selber nachdenken.
Die Verteilungen für Farbtröpfchen erhält man durch
Gedankenexperiment, aus einem Realexperiment mit Farbtröpfchen, oder durch eine
Simulation wie z.B. „Doppelspalt“ (s. oben oder www.physik.uni-muenchen.de/sektion/didaktik/Computer).
Bei den
Einzelspaltverteilungen für Quanten
kann man annehmen, dass die Spalte sehr schmal seien, um Nebenmaxima zu
vermeiden. Die Nebenmaxima seien außerhalb vom Schirm. Oder man bezieht sie mit
ein, die Nebenmaxima sind aber hier nicht von Bedeutung. Die
Doppelspaltverteilung für Quanten wurde ja vorher ausführlich diskutiert.
5.) Superpositionsprinzip
Der Vergleich macht einen
schwer verstehbaren Wesenszug von Quantenobjekten deutlich (s. AB 3, unterer
Teil): während klassische Teilchen natürlich über einen der beiden Spalte auf
den Schirm gelangen, kann man Quantenobjekten objektiv keine Bahn durch einen
der Spalte zuschreiben, sonst müsste ja die Verteilung des ersten Spalts bei
geschlossenem zweiten Spalt zur Verteilung des Doppelspalts beitragen. In
irgendeiner Form gelangt das Quantenobjekt durch beide Spalte oder „tastet“
zumindest in irgendeiner Form beide Spalte ab. So kann man diesen Wesenszug als
Superpositionsprinzip
(da die Quanten durch beide Spalte gelangen sind sie in einer Art Überlagerungszustand)
bezeichnen (s.u.).
Hat man die
Wahrscheinlichkeitsamplituden Y(x) eingeführt, so kann man mit
Hilfe der Wahrscheinlichkeitsamplituden dies etwas präzisieren:
Bei klassischen Teilchen muss man
nicht Zeiger, sondern Wahrscheinlichkeiten addieren:
|
|
.
Bei
Quantenobjekten
muss man die resultierende Wahrscheinlichkeitsamplitude durch Zeigeraddition
der Zeiger für die Einzelspalte bestimmen:
.
Man
nennt das Superposition der Zeiger für die Einzelspalte.
Das Quant befindet sich also
im Überlagerungszustand der Einzelzustände Y1 und Y2 von
Spalt 1 und Spalt 2.
Die
Wahrscheinlichkeit ist jetzt
,
denn
beim Quadrieren der Summe entsteht nach der Binomischen Formel ein gemischtes
Glied (das sogenannte Interferenzglied).
Zweites Grundprinzip der
Quantenmechanik: Das Superpositionsprinzip
In der Quantenwelt ist
nicht jede Eigenschaft objektiv festgelegt: im Doppelspalt geht das Quant
objektiv nicht durch einen der beiden Spalte.
Stattdessen befinden sich
die Quanten bei gleichberechtigten Möglichkeiten im Überlagerungszustand Y1,2=Y1+Y2, der resultierende Zeiger
wird also durch Superposition bestimmt.
Diskussion:
Wir (insbesondere auch Schüler) sind gewohnt Dinge nicht zu wissen. Wir wissen
auch, dass Nichtwissen nur subjektiv ist, dass also die Dinge objektiv
festgelegt und determiniert sind. In der Quantenphysik sind Dinge auch objektiv
nicht festgelegt.
Arbeitsblatt 3
Vergleich von klassischen Teilchen und Quanten im
Doppelspalt
Aufgabe: Im linken Bild ist ein
Doppelspaltexperiment mit Farbröpfchen dargestellt. Farbtröpfchen fassen wir
als klassische Teilchen auf, also als Kügelchen. Im rechten Bild ist ein
Doppelsoaltexperiment mit Kügelchen dargestellt. Zeichne für beide Experimente
ein, welche Verteilungen sich auf dem Schirm ergeben, wenn
a.) Nur Spalt 1 geöffnet ist.
b.) Nur Spalt 2 geöffnet ist.
c.) Beide Spalte geöffnet sind.

|
Klassische
Teilchen |
Quantenobjekte |
|
Ergebnis: Die Verteilung des Doppelspalts ist die Summe der
Verteilungen der Einzelspalte:
|
Ergebnis: Die Verteilung des
Doppelspalts ist nicht die Summe der Verteilungen der Einzelspalte:
Die Doppelspaltverteilung ist etwas ganz
Neues. Teilchen, die bei geschlossenem Spalt 2 über Spalt 1 auf einen
bestimmten Schirmpunkt gelangen konnten, können nicht mehr dorthin gelangen,
wenn beide Spalte geöffnet sind, falls sich an diesem Schirmpunkt ein Minimum
der Doppelspaltverteilung befindet. |
|
Erklärung: Jedes einzelne Tröpfchen ist objektiv durch einen
der beiden Spalte gegangen, auch wenn wir subjektiv nicht wissen,
durch welchen. Man kann im Prinzip herausfinden, durch welchen Spalt ein
einzelnes Teilchen gelanget. |
Erklärung: Auch wenn sich
jeweils nur ein Objekt in der Anordnung befindet, trägt jedes Quant zur
Interferenzverteilung bei. Es kann also objektiv nicht sein, dass das
Quant auf einer Bahn durch einen der beiden Spalte gelangt ist. Irgendwie
geht es durch beide Spalte, |
6.) Messpostulat
Bei Farbtröpfchen könnte man
z.B. mit einer Lichtschranke den genauen Durchflugspalt bestimmen. Auch bei
Quanten könnte man versuchen durch Messungen herauszufinden, durch welchen der
Spalte das Quant gelangt ist. Eine einfache Möglichkeit, wäre einfach
Detektoren direkt hinter den Spalten anzubauen, die die Quantenobjekte
registrieren können.
Beim Doppelspalt ist dies
nicht ganz einfach, da die Spalte ja sehr nah beieinander liegen. Im
Interferometer mit weit auseinandergezogenen Wegen kann man dieses Experiment
jedoch leicht realisieren - später wird das in einer Simulation des
Interferometers, die die Ergebnisse aller wirklichen Experimente
wiederspiegelt, gemacht (Interferometer V. 4).
|
|
Hier wird das Ergebnis
zunächst mitgeteilt: eine Messung mit Detektoren, durch welchen der Spalte das
Quantenobjekt gelangt ist liefert immer ein eindeutiges Ergebnis, nämlich entweder
spricht der Detektor von Spalt 1 oder der Detektor von Spalt 2 an. Nie sprechen
beide Detektoren gleichzeitig an. Alle von der Quelle abgestrahlten Quanten
werden in einem der Detektoren nachgewiesen.
Dasselbe Ergebnis wird auch
erzielt, wenn man versucht durch Wechselwirkung mit anderen Quantenobjekten den
Ort des Quants festzulegen. Z.B. kann man in einem Doppelspaltexperiment mit
Elektronen den Doppelspalt mit Licht bestrahlen (vgl. Zeichnung). Die Photonen
werden gestreut, ein gestreutes Photon markiert den Ort eines Elektrons, wobei
die Ortsmessung ungenauer ist, wenn das Licht längere Wellenlänge hat. Auch
hier ist das Messergebnis immer eindeutig: jedes Elektron wird entweder in
Spalt 1 oder in Spalt 2 gefunden. Ca. die Hälfte der Elektronen wird in Spalt
1, die andere Hälfte in Spalt 2 detektiert.
Wurde
die Wahrscheinlichkeitsamplitude eingeführt so kann man dieses Messpostulat
noch konkretisieren: durch Messung kollabiert
der Überlagerungszustand und geht in einen der Einzelzustände über. Aus der
überlagerten Wahrscheinlichkeitsamplitude Y1,2=Y1+Y2 wird durch Messung entweder Y1 oder Y2, jeweils mit
Wahrscheinlichkeit 1/2.
Drittes Grundprinzip der
Quantenmechanik: Das Messpostulat
Gibt es verschiedene
Möglichkeiten, so wird bei jeder Messung an Quantenobjekten durch Zufall eine
von diesen Möglichkeiten (hier: Spalt 1 oder Spalt 2) realisiert. Die
Wahrscheinlichkeit mit der sie realisiert wird, ist berechenbar (hier: jeweils
1/2).
Durch Messung findet
man das Quantenobjekt immer an einem bestimmten Ort bzw. auf einer bestimmten
Bahn.
Die
Wahrscheinlichkeitsamplitude kollabiert:
![]()
Wie dieser Kollaps vollzogen
wird und welche der Möglichkeiten realisiert wird, ist auch heute noch unklar.
In letzter Zeit hat man jedoch durch die Theorie der Dekohärenz Fortschritte erzielt (vgl. Schrödingers Katze).
7.) Interferenzbild bei Messung
Es
scheint sich ein Widerspruch zu ergeben: einerseits hat das Elektron keine
Bahn, andererseits findet man es durch Messung immer auf einer Bahn? Wie kann
man diesen Widerspruch auflösen?
Wie wirkt sich eine Messung auf das Interferenzbild aus?
Das Ergebnis wird wieder
simuliert mit dem Programm „Doppelspalt“ (s. AB 4, Simulation 1 und
Simulationsprogramme Versuch 4).
Die Auflösung ist klar zu
erkennen: Durch die Messung verschwindet die Interferenzverteilung. Es ergibt
sich stattdessen die klassische Verteilung, also die „Summe der
Einzelverteilungen“ P1,2 (x)=P1(x)+P2(x). Jede
Ortsmessung löst das Interferenzmuster auf. Elektronen, die man hinter Spalt 1
gemessen hat, tragen zur Einzelspaltverteilung von Spalt 1 bei, Elektronen, die
hinter Spalt 2 gemessen wurden, tragen zur Einzelspaltverteilung von Spalt 2
bei.
Das kann man auch mit der
Wahrscheinlichkeitsamplitude erklären, denn durch die Messung kollabiert die
überlagerte Wahrscheinlichkeitsamplitude:
![]()
Elektronen, deren Zeiger zu
kollabierte, tragen
zur Einzelspaltverteilung von Spalt 1 bei,
Elektronen, deren Zeiger zu
kollabierte, tragen
zur Einzelspaltverteilung von Spalt 2 bei. Insgesamt erhält man also
.
Was passiert, wenn man durch eine schwache Lampe nur 30% der Elektronen identifizieren kann?
Hier sollte man erst vermuten
lassen: Hier zeigt sich, ob man das vorige anwenden kann. Die nicht
nachgewiesenen Elektronen müssten zur Interferenzverteilung, die nachgewiesenen
zu den Einzelverteilungen beitragen. Quantitativ müsste sich also ergeben:
.
Diese Vermutung wird durch
die Simulation bestätigt (AB 4, Simulation 2).
8.) Berührungsfreie Quantenmessung
Oft wird behauptet,
dass die Elektronen bei der Wechselwirkung mit den Photonen gestoßen werden,
und daher einen anderen Bahnverlauf nehmen.
Abgesehen davon, dass wir ja
in Wesenszug 2 sahen, dass den Elektronen gar keine Bahn zugeordnet ist, kann
dieser Einwand nicht stimmen: man kann z.B. Rubidiumatome mit
Mikrowellenstrahlung lokalisieren, der zugehörige Impulsübertrag des Photons
ist um Größenordnungen zu klein, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Dennoch
verschwindet die Interferenz sofort. Allein die Tatsache der Messung hat sie
aufgelöst. Prinzipiell kann der Einfluss einer Messung auf das Ergebnis einer
Einzelmessung nicht beliebig klein gemacht werden: sobald gemessen wird, verändert
sich das Ergebnis schlagartig. Dies wird noch deutlicher bei der berührungsfreien
Quantenmessung, die im folgenden Gedankenexperiment diskutiert wird:
Arbeitsblatt 4
Simulation 1: Starte
die Simulation „Doppelspalt“. Wähle
Elektronen der Energie 100keV als Quelle. Stelle Spaltbreite 100nm und
Spaltabstand 300nm ein. Aktiviere die Lampe (Button Lampe drücken). Die
Photonen werden an den Elektronen gestreut und zeigen so deren Ort an. Stelle
die Lampenintensität auf 100% und ihre Wellenlänge auf 450nm ein. Zeichne die
entstehenden Verteilungen (nur Spalt 1 offen, nur Spalt 2 offen, beide Spalte
geöffnet) ein:
|
|
Ergebnis: Das Interferenzmuster ist verschwunden. Man findet
stattdessen die klassische Verteilung „Summe der Einzelverteilungen“ P1,2
(x)=P1(x)+P2(x). Jede Ortsmessung löst das
Interferenzmuster auf.
Was passiert, wenn nicht alle Elektronen gemessen
werden? Vermute vor der Simulation, welches Bild entsteht, wenn die Lampe
schwächer ist und nur 50% der Elektronen nachweist.
Simulation 2: Markiere
unter „Schirm“ die theoretische Auswertung. Beobachte die theoretische
Verteilung, wenn man die Intensität der Lampe von 100% auf 1% reduziert. Mache
bei 50% Intensität auch ein Simulationsexperiment mit 2000 Elektronen, um zu
sehen, dass die theoretische Verteilung in der Simulation auch realisiert wird
und zeichne diese Verteilung unten ein.

Ergebnis: Mit
der schwächer werdenden Lampe entsteht das Interferenzmuster nach und nach
wieder. Die Verteilung ist eine Mischung aus klassischer Verteilung und
Interferenzverteilung.
Gedankenexperiment: Die Lampe werde so angebracht, dass sie nur noch die Elektronen durch
Spalt 1 registrieren kann. Man erhält kein
Interferenzbild, denn auch von den nicht registrierten Elektronen hat man
eine Information: sie müssen durch
Spalt 2 gegangen sein.
Auch
in diesem Fall kollabiert Wahrscheinlichkeitsamplitude der Elektronen durch
Spalt 2, obwohl kein Photon sie berührt einziges hat. Diese Art der Messung
nennt man eine berührungsfreie
Messung. Selbst, wenn nur ein Elektron durch die Anordnung fliegt und
dies gar nicht gemessen wird, da es nicht durch Spalt 1 gelangt, so trägt auch
dieses einzelne Elektron zur Verteilung von Spalt 2 bei und kann an einer
Stelle auftreffen, an der es nach der eigentlich Interferenzverteilung
unmöglich ist.
|
|
9.) Nichtlokalität, Nichtobjektivierbarkeit und Welcher-Weg-Information
Da
die Messung an Spalt 1 die
Wahrscheinlichkeitsamplitude der Elektronen von Spalt 2 und somit die Verteilung verändert, sagt man die
Quantenwelt sei nichtlokal.
Es muss gar nicht wirklich gemessen werden, alleine die „Androhung“ einer
Messung an einem ganz anderen Ort zerstört die Interferenz, wenn man daraus
eine „Welcher-Weg-Information“ über
die Quanten ziehen kann. Man kann also den Quanten nicht nur objektiv keine
Bahn zu ordnen, wie es das Superpositionsprinzip besagt. Jeder Versuch den
Durchflugspalt objektiv zu machen oder eine Welcher-Weg-Information zu
erhalten, zerstört die Interferenz. Da man die Bahnen nicht objektiv machen kann das Ergebnis schlagartig zu ändern,
nennt man dies die Nichtobjektivierbarkeit
der Quanten. [Vgl. DB, S. 252].
10.) Komplementarität
„Welcher-Weg-Information“
und Interferenz sind also zwei sich ausschließende, aber auch gegenseitig
ergänzende Eigenschaften von Quanten. Man nennt sie daher komplementär. Mit der Komplementarität
drückt man eine ganz grundlegende Eigenschaft von Quanten aus, die sowohl
die quantenmechanische Messung, als auch die sogenannte Unbestimmtheitsrelation
(s.u.) miteinschließt.
Vierter Wesenszug der Quantenphysik: Komplementarität
„Welcher-Weg-Information“
und Interferenz schließen sich prinzipiell gegenseitig aus.
Auch wenn das
Quantenobjekt selbst nicht gemessen wurde, die Anordnung aber so eingerichtet
ist, dass durch eine Messung (auch an einem völlig anderen Ort) ein Rückschluss
auf den Zustand des Quantenobjekts möglich ist, so verschwindet das
Interferenzbild.
Die
Wahrscheinlichkeitsamplitude des Quantenobjekts kollabiert dann.
V. Anwendungen
der quantenmechanischen Prinzipien
1.) Schrödingers Katze
Die Superposition erlaubt es,
dass Quantenobjekte in Überlagerungszuständen sein können: sie sind in einem
gewissen Sinn an verschiedenen Orten gleichzeitig, besetzen verschiedene
Energieniveaus gleichzeitig, haben gleichzeitig verschiedene Spinrichtungen.
Können auch makroskopische Objekte solche Überlagerungszustände haben? Wo ist
die Grenze zwischen klassischer Physik und Quantenphysik?
Eng mit diesen Fragen ist das
Messproblem verbunden: wie wird der Überlagerungszustand aufgehoben und wie
kollabiert die Wahrscheinlichkeitsamplitude bei einer Messung? Welcher Zustand
entsteht dabei? Die Diskussion ging hier vom Messpostulat zur heute aktuellen
Dekohärenztheorie.
Viele Ergebnisse und
Überlegungen in bezug auf diese Fragen sind unter dem Stichwort „Schrödingers
Katze“ zusammengefasst. Man kann Ergebnisse dazu auch von Schülern erarbeiten
lassen, da sich im Internet, in zugänglichen Zeitschriften wie z.B. „Spektrum
der Wissenschaft“, in populären Büchern oder auch im Physikbuch einiges dazu
finden lässt. Das folgende Blatt wurde als Hausaufgabe gestellt. Mögliche
Antworten sind mit Schreibschrift eingetragen.
Hier einige Literatur zum
Thema:
Ph. Yam, Das zähe
Leben von Schrödingers Katze; Sp.d.W. Digest 1/1999, S. 28
B. Röthlein,
Schrödingers Katze, dtv 1999
J. Gribbin, Auf
der Suche nach Schrödingers Katze, Piper 1993
J. Audretsch
(Hrsg.), Wie viele Leben hat Schrödingers Katze?, Spektrum Akad. V. 1996
Arbeitsblatt 5
Schrödingers Katze
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Beim Doppelspalt
befindet sich jedes Elektron in einem Überlagerungszustand „Spalt 1 und Spalt
2“. Diese Situation erscheint paradox. Schrödinger versuchte diese
unglaubwürdige Vorhersage der Quantenphysik am Beispiel eine Katze zu verdeutlichen.
1.) Lies seine Argumentation auf Seite 292.B nach
und fasse sie kurz zusammen. Ziehe dabei auch die quantenmechanischen
Prinzipien mit ein.
Das
a-Teilchen
ist, solange keine Messung gemacht wird, im Überlagerungszustand
Y
= Yzerfallen+Yunzerfallen
(Superpositionsprinzip). Es ist
somit in einem gewissen Sinne zugleich zerfallen und unzerfallen.
Dementsprechend ist auch die Katze, die davon abhängt, im Überlagerungszustand
„lebendig und tot“, ihre Wahrscheinlichkeitsamplitude ist
Y
= Ylebend+Ytot.
Was soll aber eine Katze sein, die
zugleich lebend und tot ist?
2.) Was passiert beim Messen, also beim
Nachgucken mit der Katze? Erkläre das mit den quantenmechanischen Prinzipien
(vgl. Buch S. 293). Wie ist die Kopenhagener Interpretation dieses Phänomens?
Sobald
gemessen wird, in diesem Falle also nachgeguckt wird, was mit der Katze ist,
kollabiert der Überlagerungszustand
Y = Ylebend+Ytot zu Ylebend oder Ytot,
die Katze geht also
entweder in den realen Zustand „lebend“, oder in den realen Zustand „tot“
über (Messpostulat). Die Kopenhagener Interpretation sagt über das Sein der Katze
vor der Messung nichts aus, sondern behauptet, dass durch die quantenmechanische
Messung die Realität erst erzeugt wird.
3.) Erkläre, wie man heute mit Hilfe der
Dekohärenz versucht, diesen anscheinenden Widerspruch aufzuheben (vgl. Buch S.
293).
Die Dekohärenztheorie behauptet, dass Einwirkungen von außen (Höhenstrahlung, Hintergrundstrahlung,...) den Überlagerungszustand nach kürzester Zeit (bei einer Katze ca.
10-20s)
aufheben. Somit gibt es Realität auch ohne dass gemessen wird: die Katze lebt
oder ist tot, auch wenn niemand nach ihr guckt.
2.) Das Bombentestproblem
Interferometerexperimente und
ihre Deutung bieten nochmals die Gelegenheit alle Prinzipien einzuüben. Um
einen anderen Einstieg zu haben, wird hier vorgeschlagen, sozusagen von hinten
anzufangen, als Einstiegsproblem also den Bombentest zu wählen. Ein Unterrichtskonzept
mit diesem Einstieg findet sich in
www.ap.univie.ac.at/users/fe/MERLIN_MPI/konzept.htm.
Zum Bombentest selber (auch
Dorn-Bader benutzt ihn als zentrales Problem, S.250; er nennt ihn allerdings
Knallertest) finden sich zahlreiche Internetadressen. Ich erwähne hier als
Beispiel
www.ap.univie.ac.at/users/fe/Quantentheorie/sciweek2000
mit einer Simulation zum
Bombenproblem.
Hintergrund ist folgendes von Elitzur und Vaidman gestelltes Problem: es wurden Bomben produziert, die sehr empfindliche Zünder haben. Schon, wenn ein einziges Photon auf den Zünder fällt, wird die Bombe gezündet. Leider sind einige Bomben ohne Zünder hergestellt worden. Wie kann man wenigstens einige garantiert einwandfreie Bomben erkennen und retten? Bei welchem Prozentsatz ist das möglich?
3.) Das Mach-Zehnder-Interferometer
Die einfachste Version des
Interferometers arbeitet mit 2 Detektoren:

ST sind Strahlteiler, Sp Spiegel. Bei Reflexion am Strahlteiler
ergibt sich durch Überlagerung der Reflexion an Vorderseite (Phasensprung l/2) mit der Reflexion an der Rückseite (kein Phasensprung) ein
Phasensprung von l/4. Bei vollkommen symmetrischem Aufbau ist also bei
Detektor 2 zwischen oberem und unterem Strahl ein Gangunterschied von 0, also
Verstärkung. Für Detektor 1 ergibt sich ein Gangunterschied von l/2, also Auslöschung.
|
|
Im Realexperiment sind aber
die Strahlen leicht divergent, der Gangunterschied hängt daher auch vom Winkel
ab. Somit ergeben sich in Wirklichkeit Ringe auf Schirmen. In dem
Simulationsprogramm „Interferometer“ der Münchner Physikdidaktik (downloadbar
von www.physik.uni-muenchen.de/sektion/didaktik/Computer)
ist nur ein Schirm anstelle von Detektor 2 dargestellt, er zeigt Ringe.
Bevor wir das Realexperiment
vorführen, sollen die weiteren Experimentiermöglichkeiten dargestellt werden,
mit denen die Schüler anhand der Simulationsprogramme die quantenmechanischen
Prinzipien wiedererkennen und einüben können (s. AB6):
1.) Einzelphotonen (Wahrscheinlichkeitsprinzip). Hier können einzelne Photonen
eingestellt werden.
2.) Jeweils ein Detektor im Strahlengang (Superpositionsprinzip). Vergleich der Verteilungen,
wenn jeweils ein Strahlengang unterbrochen ist (Detektoren werden hier nur zum
Unterbrechen benutzt, nicht als Messgeräte).
3.) Zwei Detektoren im Strahlengang (Messpostulat). Jedes Photon wird auf einem der Wege
registriert.
4.) Polarisatoren in den Strahlengängen (Komplementarität). Interferenz verschwindet nach und
nach, wenn die zunächst parallelen Polarisationsfolien auf senkrechte Stellung
gedreht werden (® Welcher-Weg-Information).
5.) Quantenradierer (Komplementarität). Eine dritte Polarisationsfolie löst die
Weg-Information wieder auf, und das Interferenzbild entsteht wieder.
Polarisatoren und Quantenradierer können natürlich auch klassisch erklärt werden, dies ist jedoch aufwendig, da je nach Ort linear und zirkular polarisierte Wellen abwechseln.
4.) Erklärung zum Bombentest
Der Bombentest ist eine berührungsfreie Quantenmessung. Befindet sich eine intakte Bombe mit Zünder auf dem oberen Weg, so kann ein Photon auf den unteren Weg gelangen (Wahrscheinlichkeit 1/2) und von dort in Detektor 1 (wieder mit Wahrscheinlichkeit 1/2).

Mit 25%-ger
Wahrscheinlichkeit fällt ein Photon also in den Detektor 1, was ohne intakten
Zünder unmöglich ist. Man kann dann also sicher sein, dass eine intakte Bombe
vorliegt. Mit 50%-ger Wahrscheinlichkeit wird die intakte Bombe zerstört, da
das Photon den oberen Weg wählte. Mit 25%-ger Wahrscheinlichkeit gelangt das
Photon in Detektor 2, woraus man keine Rückschlüsse über die Bombe machen kann.
Man kann das Experiment dann mit derselben Bombe wiederholen. Die
Gesamtwahrscheinlichkeit die intakte Bombe unbeschädigt zu sichern ist also
. Diese Wahrscheinlichkeit kann noch erhöht werden (vgl. Kwiat, Weinfurter, Zeilinger; Wechselwirkungsfreie
Quantenmessung, Spektrum d. Wiss. Digest 1/1999, S.20).
Arbeitsblatt 6
Simulation Interferometer
Das Programm „Interferometer“
zeigt den Aufbau eines Mach-Zehnder-Interferometers. An die Stellen P1 und P2
können jeweils Detektoren oder Polarisationsfolien gesetzt werden, an P3 eine
Polarisationsfolie.
|
|
a.)
Aktiviere das Kontrollkästchen „Einzelne Photonen“. Mit der linken Maustaste
auf der Quelle kann die Anzahl der Photonen pro Sekunde eingestellt werden.
Beschreibe das Schirmbild nach wenigen Photonen. Drücke dann „Tempo“ und
beschreibe wieder. Welches quantenmechanische Prinzip wird durch dieses
Experiment verdeutlicht?
b.)
Blockiere Weg 1 durch Detektor 1 (es ist hier unwesentlich, dass der Detektor
auch Photonen zählen kann). Beschreibe die Verteilung! Welches
quantenmechanische Prinzip wird durch dieses Experiment verdeutlicht?
c.)
Baue in beide Wege einen Detektor ein! Vergleiche die Anzahl der von den
Detektoren nachgewiesenen Photonen mit der Gesamtzahl der ausgesandten
Photonen. Welches quantenmechanische Prinzip wird durch dieses Experiment
verdeutlicht?
d.) Was
passiert, wenn man an Position P1 einen vertikalen und an Position P2 ebenfalls
einen vertikalen Polarisator anbringt? Vermute erst und überprüfe dann in der
Simulation! Was passiert mit der Verteilung, wenn P2 langsam auf horizontale
Position gedreht wird? Welches quantenmechanische Prinzip wird durch dieses
Experiment verdeutlicht?
e.) Was
passiert, wenn man an Position P1 einen vertikalen, an Position P2 einen
horizontalen Polarisator und an Position P3 einen 45° Polarisator anbringt?
Vermute erst und überprüfe dann in der Simulation! Drehe P3 auch in
verschiedene Stellungen und teste die Verteilungen!
5.) Delayed-Choice-Experiment
Erstaunlicherweise kann man das Versuchsergebnis noch beeinflussen, wenn das Quantenobjekt den ersten Strahlteiler bereits hinter sich hat. In einem solchen Delayed-choice-Experiment werden zusätzliche Lichtlaufstrecken eingebaut, die so lange sind, dass während der Laufzeit durch diese Zusatzwege eine schnell umschaltbare Wegblockade geöffnet oder geschlossen werden kann (Pockelzelle).

Zunächst ist der obere Weg
gesperrt, es dürfte keine Interferenz geben, d.h. die Hälfte der Photonen
gelangt in Detektor 1. Während sich ein Photon im zusätzlichen Laufweg
befindet, wird die Blockade geöffnet. Die nachträgliche Öffnung bewirkt, dass
die Photonen wieder zur Interferenz beitragen, also alle in Detektor 2
gelangen. Quantenobjekte sind nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich
„nicht-lokal“. Sie tasten beide Wege ab, und sind nicht einfach auf einem
nicht-blockierten Weg unterwegs.
Die praktische Durchführung von Interferometerexperimenten erfordert etwas Übung. Es eignet sich z.B. der Aufbau von Leybold (Metallplatte mit Magnetfüßen oder Marmorplatte). Dazu gehören zwei Strahlteiler, 2 Spiegel und Laser. Die Aufweitung des Lasers kann mit einer 50mm-Linse erfolgen. Wichtig ist, dass sich die Spiegel fein verstellen lassen. Zunächst sollte man mit dem wesentlich einfacheren Michelson-Interferometer üben, bevor man sich an das Mach-Zehnder-Interferometer wagt. Für den Quantenradierer braucht man außerdem 3 verstellbare Polarisationsfolien.
1.) Zeigerformalismus ohne Messungen
Man kann mit Hilfe der
Quantenmechanik das Verhalten von Quantenobjekten auch konkret vorausberechnen
- wenn man nur die Wahrscheinlichkeitsamplitude Y berechnen
kann. Zwar ist das Verhalten eines Einzelobjekts nicht berechenbar, aber man
kann Wahrscheinlichkeitsaussagen über ein Ensemble von gleich präparierten
Quantenobjekten machen. Das Prinzip wurde beim Superpositionsprinzip erklärt:
man muss einen resultierenden Zeiger bestimmen, für die Wahrscheinlichkeit muss
die Zeigerlänge quadriert werden.
Hat man die Optik mit dem
Zeigerformalismus ausgeführt, so kann man sehr schnell, den dort erarbeiteten
Formalismus erweitern, denn man muss eigentlich nur Intensitäten als
Wahrscheinlichkeiten interpretieren. Das geht allerdings nur, wenn keine
Messungen am Quantenobjekt unternommen werden: man ist dann in der Situation
des zweiten Grundprinzips (Superpositionsprinzip), das aus der Wellenlehre
bekannt ist.
Diese Regeln werden in AB 7
noch einmal zusammengefasst. Es wird davon ausgegangen, dass diese Regeln aus
der Optik bekannt sind und in Simulationsprogrammen (Bader u.a.) für optische
Anordnungen (Spalt, Spiegel etc.) eingeübt wurden. Den Quanten wurde über die
DeBroglie’sche Beziehung eine Wellenlänge zugeordnet. Da sie ein Ensemble
bilden, haben alle Quanten dieselbe Wellenlänge. Schreibschrifteintragungen und
Zeichnungen (Verteilungen, Zeigerdiagramme) wurden mit den Schülern
eingezeichnet.
Es sei darauf hingewiesen,
dass man die Intensitätsabnahme mit der Entfernung nicht berücksichtigt hat:
eigentlich müsste die Zeigerlänge unterwegs abnehmen. Daher ist die
Intensitätsverteilung eines ganz schmalen Einzelspalts einfach konstant und
nimmt nicht nach außen ab.
Außer mit
Simulationsprogrammen gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Wirkung der
Regeln zu verinnerlichen:
1.) Lichtrad: Eine
sehr unmittelbare Möglichkeit ist das Lichtrad.
Man zeichnet die Anordnung auf dem Schulhof auf und fährt mit einem Rad mit
Winkelskala die möglichen Wege ab. Die Winkelstellungen des Rades am Ende
werden aufgeschrieben und dann die zugehörigen Zeiger vektoriell addiert. Als
Beispiel dafür ist in AB 8 die geradlinige Lichtausbreitung aufgeführt. Hier
ergibt sich auch bei ungenauer Messung nach Vektoraddition die Cornu-Spirale,
also tragen nur die Wege um 0 herum zum resultierenden Zeiger bei.
2.) Berechnung mit Taschenrechner: Man berechnet für ausgewählte Wege die
Zeigerstellungen mit dem Taschenrechner und führt dann die Vektoraddition mit
dem Geodreieck aus, oder addiert die Komponenten der Zeiger wieder mit dem
Taschenrechner.
3.) Tabellenkalkulation: Für z.B. den Dreifachspalt gibt man in einer
Tabellenkalkulation die x-Werte auf dem Schirm ein und lässt in Abhängigkeit
von l und den Daten der Anordnung die Zeiger berechnen. Die
Formeln dazu wurden ja in den Regeln dargestellt. Die Verteilung kann man sich
dann in einem Diagramm darstellen lassen.
4.) CAS-System, z.B. Maple: Die Formeln lassen sich in Maple eingeben, die Verteilungen
können als Kurven ausgegeben werden.
5.) Eigene Programme, z.B. in Delphi: Auch von Schülern wurden schon oft
Simulationsprogramme geschrieben. Das kostet aber viel Zeit. Schneller gehen
Programme die nur die Schirmverteilungen mit den Zeigerregeln berechnen.
Man kann die
unterschiedlichen Veranschaulichungsmöglichkeiten auch von verschiedenen
Gruppen erarbeiten lassen, die danach ihre Ergebnisse vortragen.
Arbeitsblatt 7
Regeln zur Bestimmung von Übergangswahrscheinlichkeiten mit der Zeigermethode ohne
Berücksichtigung von Messungen
Gegeben
sei eine Quelle Q, ein Detektor D und dazwischen eine Anordnung wie z.B. ein
Dreifachspalt. Den Quanten der Quelle ist eine bestimmte Wellenlänge l
zugeordnet. Mit folgenden Regeln berechnen wir die Wahrscheinlichkeit P(Q®D), dass ein Quant von der Quelle Q durch die
Anordnung zum Detektor D gelangt.

(1) Jedem
möglichen Weg w von Q nach D wird ein Zeiger
Yw der Länge 1 zugeordnet.
(2) Die
Zeigerrichtung des Zeigers zum
Weg w findet man so:
man
denkt sich, dass der Zeiger auf einem Rad vom Umfang l
angebracht ist, das auf dem Weg w von Q nach D rollt. Der Zeiger startet in der
Quelle immer in der 0°-Stellung (senkrecht nach oben). Die Endstellung des
Zeigers auf dem Rad, wenn es im Detektor D angelangt ist, ist die gesuchte
Zeigerrichtung. Man kann die Zeigerstellung durch den Winkel des Zeigers gegen
die 0°-Richtung beschreiben (das ist die sogenannte Phase).
Berechnung
der Zeigerrichtung zum Weg w:
Bestimme
die Anzahl k der vollen Umdrehungen des Rades:
, wobei l(w) die Weglänge und die Klammer die Gaußklammer
bezeichnet. Dann ist
die Phase zum Weg w.
Der Zeiger
in Vektorschreibweise
(3) Bestimme den resultierenden
Zeiger Y, wenn an keiner Stelle gemessen wird:
(Superpositionsprinzip bei ununterscheidbaren Wegen)
(4)
P(Q®D) ~ ![]()
Arbeitsblatt
8
Warum
ist die Lichtausbreitung geradlinig?
Versuch mit dem Lichtrad: Gegeben ist ein Koordinatensystem mit
Einheitslänge 1m. Die einfarbige Lichtquelle befindet sich am Punkt L(-5|0),
der Empfänger am Punkt E(5|0). Eigentlich erwarten wir, dass das sich Licht nur
geradlinig von L nach E ausbreitet. Nach den Regeln müssen aber wir alle
möglichen Wege von L nach E berücksichtigen. Wir betrachten hier alle Wege über
Punkte
auf der y-Achse
zwischen (0|-5) und (0|+5).

Laufe mit dem Lichtrad diese Wege ab und bestimme
die Phase
der Zeiger zu den Wegen. Trage die Werte in die Tabelle ein.
Aus Symmetriegründen betrachten wir nur positive y-Werte.
|
|
0,0 |
0,2 |
0,4 |
0,6 |
0,8 |
1,0 |
1,2 |
1,4 |
1,6 |
1,8 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
2,0 |
2,2 |
2,4 |
2,6 |
2,8 |
3,0 |
3,2 |
3,4 |
3,6 |
3,8 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
yP |
4,0 |
4,2 |
4,4 |
4,6 |
5,0 |
|
||||
|
|
|
|
|
|
|
|
||||
Addiere die zu den
Winkeln gehörigen Zeiger mit Zeigeraddition. Wie könnte man die sich ergebende
Figur beschreiben?
Wie kann man mit dieser
Figur begründen, dass sich Licht geradlinig ausbreitet?
2.) Zeigerformalismus mit Messungen
Bisher wurden die
quantenphysikalischen Prinzipien 3 und 4, die Messungen betreffen, im
Zeigerformalismus nicht berücksichtigt. Fraglich, ob Schüler die Erweiterungen
der Regeln für diese Situation selber finden können. In AB 9 werden diese
Regeln anhand eines Vierfachspalts, bei dem an 2 Spalten gemessen wird,
erarbeitet.
Zunächst fehlen die
Zeigerdiagramme und die Verteilung. Um zunächst die Verteilung zu entdecken
muss man sich überlegen, dass Spalt 3 und Spalt 4 interferieren, während die
Spalte 1 und 2, bei denen man „Welcher-Weg-Information“ hat, zu
Einzelverteilungen beitragen, die hier konstant sind, da man Intensitätsabnahme
nach außen durch größere Entfernungen nicht berücksichtigt (s.o.). Es ergibt
sich als Intensitätsdiagramm also die Doppelspaltverteilung, zu der zwei
konstante Einzelverteilungen dazuaddiert werden.
Jetzt überlegt man sich die
zugehörigen Zeigerdiagramme. Die größte Schwierigkeit ist, eine
allgemeingültige Formulierung zu finden. Die Gesamtheit der Wege wird in Mengen
ununterscheidbarer Wege eingeteilt, denen jeweils ein resultierender Zeiger
zugeordnet wird. Dann muss man die zugehörigen Wahrscheinlichkeiten addieren.
Es gäbe viele Möglichkeiten
in verschiedenen Situationen die Regeln zu testen. So könnte man den doppelten
Doppelspalt (zwei Doppelspalte hintereinander), mit Messungen an einem
Doppelspalt berechnen. Die Berechnungsmöglichkeiten sind gleich wie beim
Zeigerformalismus ohne Messungen: Lichtrad, mit Taschenrechner,
Tabellenkalkulation, CAS, Eigene Programme. Als Übung wurde der
Dreifachspaltung mit und ohne Messung mit Taschenrechner und mit
Tabellenkalkulation gemacht (s. AB 10).
Die
Simulationsprogramme werden auf separaten Blättern erklärt und vorgestellt.
Arbeitsblatt 9
Regeln zur Bestimmung der Übergangswahrscheinlichkeit mit der
Zeigermethode unter Berücksichtigung von Messungen
Gegeben
sei eine Quelle Q, ein Detektor D und dazwischen eine Anordnung wie z.B. ein
Vierfachspalt. Durch die Anordnung sollt sich ein Quant bewegen, dem eine
bestimmte Wellenlänge l zugeordnet ist. An verschiedenen Stellen darf
auch gemessen werden. Mit folgenden Regeln berechnen wir die Wahrscheinlichkeit, P(Q®D) dass
das Quant von der Quelle Q durch die Anordnung zum Detektor D gelangt.

(1) Jedem möglichen Weg w von Q nach D wird
ein Zeiger (Pfeil) Yw der festen Einheitslänge 1 zugeordnet.
(2) Die
Zeigerrichtung von Yw
findet man wieder durch das auf dem Weg abrollende Zeigerrad, wie bei Regel (2)
ohne Messung.
(3) Teile die Menge A aller möglichen Wege auf in Mengen, die durch
Messungen nicht voneinander unterscheidbar sind:
. Die Wege, die zu W1 gehören, sind durch
Messungen nicht voneinander unterscheidbar, d.h. es gibt keinerlei Messungen
auf welchem der Wege, die zu W1 gehören, das Quant gewesen sein
könnte. Demgegenüber kann man durch Messung herausfinden, ob das Quant auf
einem der Wege von W1 oder auf einem der Wege von W2
unterwegs war.
Alle Zeiger, die zu W1 gehören, werden vektoriell
addiert zum resultierenden Zeiger Y1, ebenso die Zeiger, die zu W2
gehören zu Y2 usw..
(4)
P(Q®D) ~ ![]()
Arbeitsblatt 10
Dreifachspalt
|
|
Elektronen werden in einem Experiment aus einer Quelle Q auf einen Dreifachspalt mit Gitterkonstante g im Abstand s geschossen. Im Abstand a vom Spalt kann entlang einer x-Achse ein Detektor D verschoben werden.
Die Wellenlänge l sei 1 LE. Wähle in c.) und f.) s=2 LE, g=1,5 LE und a=4 LE.
a.) Warum müssen für ein deutliches Interferenzmuster alle Elektronen die gleiche Geschwindigkeit haben?
b.) Skizziere das Interferenzmuster auf dem Schirm „Ohne Messung“.
c.) Berechne Y bzw. P, für einen Detektor mit x=2,5 LE.
d.) Berechne mit Hilfe einer Excel-Tabellenkalkulation und den Zeigerregeln das zugehörige Interferenzmuster und stelle es graphisch dar.
e.) Nun wird der Spalt C beleuchtet, so dass man feststellen kann, ob ihn ein Elektron passiert. Welches Ergebnis erwartet man nun auf dem Schirm? Skizziere das Interferenzmuster auf dem Schirm „Mit Messung“ und beschreibe wie man dieses Ergebnis mit Hilfe der Zeigerregeln bekommt. Zeichne auch ein Beispiel-Zeigerdiagramm.
f.) Berechne wieder Y bzw. P, für einen Detektor mit x=2,5 LE.
g.) Berechne mit Hilfe einer Excel-Tabellenkalkulation und den Zeigerregeln das zugehörige Interferenzmuster und stelle es graphisch dar.
g.) Welche Intensitätsverteilung ergibt sich, wenn an Spalt B und an Spalt C gemessen wird?