Man redet heute oft vom
Quantensprung. Vor allem
Politiker und Esoteriker wollen damit sagen,
dass es sich dabei um etwas ganz Besonderes
handelt. Für die Milliarden von Milliarden
von Atomen des Universums ist der
Quantensprung aber etwas ganz Normales
(jedenfalls im Bohrschen Atommodell). Sie
absorbieren ein Photon.
![[Maple Plot]](images/h71.gif)
Zeitlupe... und emittieren es wieder.
Also: Wenn ein schwarzes Atom ein rotes Photon absorbiert, wird es rot.
Und wenn ihm dieser Zustand nicht gefällt, wird es wieder schwarz. Alles
ganz spontan. (Nun ja - so spontan auch wieder nicht, das Vakuum
muss sich an diesem Übergang schon beteiligen :-)).
Wenn man das Atom mit seinem Photon im
Vakuum einsperrt, passieren lustige Dinge:
Der unterbrochene Quantensprung!
Was findet man mit Google
zum Quantensprung?
"Quantensprung ist ein Begriff aus der Quantenphysik, der im New-Age-Jargon
als Metapher für eine radikale Veränderung im Denken oder eine sprunghafte
Bewusstseinsentwicklung verwendet wird. Die Tatsache, dass ein
Quantensprung möglich ist, heißt nicht automatisch, dass er auch
stattfinden muss. Dazu müssen eine genügend große Anzahl von
Menschen bereit sein, die neuen Möglichkeiten anzunehmen und
auszuschöpfen. Die Freiheit der Entscheidung liegt bei jedem
Einzelnen."
Oder einfach: "Ein Quantensprung ist gelungen"
(Kulturhofrat Dr. Manfred Glawogger)!
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Liebe Leser, ich freue mich, dass dieser
Artikel so oft gelesen wird. Aber den Quantensprung gibt es nicht in der realen
Welt!
Was nun?
Die Wortschöpfung (oder -hülse?)
"Quantensprung" entstand in den frühen Zeiten der Quantenphysik, um Problemen
bei Rechenverfahren der Quantentheorie einen Namen zu geben.
Mehr ist eigentlich nicht - oder nur mit Ironie - zu sagen.
Dass sich mittlerweile im Rauschen des Blätterwalds die Erkenntnis durchsetzt,
dass der Quantensprung nicht sehr groß sein kann und auch nicht instantan
erfolgt, stimmt mich hoffnungsvoll. Vielleicht führt diese Entwicklung ja zur
endgültigen Abschaffung des Quantensprungs?
Viel Spaß mit
"Noch ein paar Anmerkungen zum Quantensprung. ©
Michael Komma 1995"
Leibniz war sich sicher: "Natura non facit
saltus" (die Natur macht keine Sprünge - wie schon von Aristoteles
vermutet) und in dieser Tradition war sich Einstein ebenso sicher, dass
"Gott nicht würfelt". Alles ist kontinuierlich und verläuft
kontinuierlich und kausal. In der klassischen Physik werden Zustände und
Änderungen durch stetige und differenzierbare Funktionen beschrieben - bis
hinein in infinitesimal kleine Raumgebiete und Zeitabschnitte. Die Idee des
Kontinuums und ihre überwältigend erfolgreiche Anwendung in der
Infinitesimalrechnung (Leibniz und Newton) zusammen mit der festen Überzeugung,
dass jede noch so kleine Ursache auch eine beliebig kleine Wirkung hervorruft
und nichts dem Zufall überlassen ist, prägten das Weltbild der klassischen
Physik.
So gesehen waren Demokrits Atome kein Thema mehr,
denn alles war ja beliebig oft teilbar - zumindest in Gedanken. Doch dann kam Planck
mit seinem "Wirkungsquantum" (und Einstein war so genial das ernst zu
nehmen). Warum hatte man das nicht schon früher (z.B. zu Demokrits Zeiten)
entdeckt? Das Wirkungsquantum ist unvorstellbar klein! Verglichen mit Wirkungen
unserer Alltagswelt beträgt es nur 1/10000000000000000000000000000000000 oder
10^(-34) Wirkungseinheiten. Wenn die Natur also Sprünge macht, dann macht sie
grundsätzlich nur ganz kleine Sprünge und es gibt bis heute keine
"klassische Erklärung" dafür (und es wird sie wohl nie geben). Warum
bewegt sich dann überhaupt etwas in unserer klassischen Welt? Weil es
unvorstellbar viele Teilchen gibt!
Weshalb Redner und Werbeagenturen trotzdem immer
wieder den Quantensprung missbrauchen, z.B.: "So einen Sprung nach vorn gab
es noch nie. Ich würde sogar von einem Quantensprung sprechen. Das sind
erdbebenartige Änderungen!", lässt sich allerdings ganz klassisch
erklären: Man will mit einem unbekannten Begriff Aufsehen erregen - ein
ziemlich sicheres Indiz dafür, dass jemand seine Wirkung total überschätzt.
Was bedenklicher ist: Selbst der Duden fällt auf
diese Masche herein. Aber vielleicht verwechselt man dort ja den Quantensprung
mit dem dialektischen Sprung (Lenin), nach dem Motto "Irgendwann schlägt
Quantität in Qualität um".
Und was hat das Ganze mit dem Vakuum zu tun? Im
Vakuum (der Quantenelektrodynamik) tummeln sich sehr viele virtuelle Teilchen.
Durch sie werden Quantensprünge der realen Teilchen induziert. Aber ich möchte
jetzt die Analogie zur real existierenden Politik nicht weiter strapazieren
(z.B.: Angeber aller Länder vereinigt euch?), zumal es den Quantensprung nicht
wirklich gibt...
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